Chronik der Kleemannschule in Kiel - Teil 1
1. April 1931 bis heute: über 70 Jahre im Dienste der beruflichen Bildung
Gustav Kleemann und die Anfänge der Kleemannschule

Gustav Carsten Heinrich Kleemann wurde am 19. September 1886 in Kiel als Sohn des Rektors Marcus Kleemann und seiner Ehefrau Auguste als zweites Kind geboren. Nach Versetzung in die Oberprima beschloss er, zur Marine zu gehen, um das eingesparte Schulgeld seinen jüngeren Brüdern zukommen zu lassen. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Gustav Kleemann damit ausgezeichnet, an der Universität Hamburg Staatsrecht, Handelsrecht und Betriebswirtschaft zu studieren, um anschließend an der Marineschule Flensburg-Mürwik wirken zu können. 1929 beendete er seinen Dienst dort. Zunächst erteilte er privat Einzel- und Gruppenunterricht, dann nahm er den Unterricht an der damaligen kaufmännischen Privatschule Schwarzer am Sophienblatt auf. 1930 trennten sich Schwarzer und Kleemann jedoch.
Gustav Kleemann war arbeitslos. Am alten Markt 14, im Löwenbräuhaus, wollte der Besitzer der kleinen Privatschule Schröder sein Inventar und die Schulrechte verkaufen. Gustav Kleemann kaufte die Schule und eröffnete sie am 1. April 1931 neu unter dem Namen Kaufmännische Privatschule Gustav Kleemann.

Zunächst standen zwei Klassenzimmer zur Verfügung, eines davon war mit 30 versenkbaren Schreibmaschinen ausgestattet. Jetzt fehlten nur noch die Schüler. Der Unterrichtsbetrieb begann mit finanziellem Verlust; die Bilanz wies nach zwei Jahren einen "Gewinn" von 88 Reichspfennigen auf.
Nach diesen Anfangsschwierigkeiten wuchs von Semester zu Semester die Anzahl der Schüler. Mit der Schule ging es bergauf. Gustav Kleemann musste zusätzliche Räume anmieten und neue Kurse einführen. Ende der dreißiger Jahre besuchten 600 Schüler die kaufmännische Privatschule, der Unterricht fand wochentags von 8 bis 22 Uhr statt.
Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde Gustav Kleemann eingezogen. Da die Schule als kriegswichtig eingestuft wurde, stellte man ihn zwei Tage in der Woche zur Leitung der Schule frei. Als die Schule am Alten Markt ausgebombt worden war, wurde der Unterricht auf Anordnung der städtischen Schulverwaltung zeitweilig in die Räume des Gymnasiums Wellingdorf verlegt. 1944 wurde auch dieses Gebäude zerstört.
Im Jahre 1947 begann Gustav Kleemann in seinem Wohnhaus in Kitzeberg erneut mit Einzel- und Gruppenunterricht. Im Winter musste jeder Schüler Heizmaterial mitbringen.
Da der Andrang von Schülern größer wurde, konnte Gustav Kleemann in neu angemieteten Räumen im Jacobsen-Haus am 1. April 1950 den Tagesschulbetrieb wieder offiziell aufnehmen. Der Name war jetzt Private Kaufmännische Berufsfachschule Kleemann. In vier Klassenräumen drängten sich die Schüler. Das Lehrerkollegium zählte zeitweilig 26 Lehrkräfte.
Als die Stadt Ende der fünfziger Jahre eigene Handelslehranstalten aufbaute, ging es mit der Schülerzahl der Kleemannschule bergab. Zusätzlich entstand ein neues Problem: der Besitzer des Jacobsen-Hauses war der Ansicht, seinen anderen Mietern einen relativ unruhigen Schulbetrieb nicht länger zumuten zu können. Diese Probleme waren mitverantwortlich für die Erkrankung von Gustav Carsten Kleemann im Jahre 1962. Er verstarb am 18. Juli 1964.
Auf dringenden Rat seines Sohnes, Dr. Arnfried Kleemann, hatte er zu Beginn des Schuljahres 1962/63 die pädagogische Leitung der Schule in die Hände des jungen Dr. Klaus Nernheim gelegt. Mit dem Datum 1. April 1966 erwarb Dr. Nernheim die Schule von Dr. Arnfried Kleemann.